Personal aufbauen: Die häufigsten Fehler
Wie richtige Kommunikation mit Gästen deinen Umsatz verändert
Dein Servicepersonal kann dir jeden Tag 200 bis 400 Euro zusätzliche Einnahmen bringen. Oder es kostet dich genau diese Summe, still und ohne dass du es merkst. Der Unterschied liegt nicht im Menü, nicht in den Preisen. Er liegt in einer einzigen Frage, die dein Kellner stellt oder nicht stellt. Ich zeige dir, was ich meinen Leuten bei Masel Topf beibringe, und warum es funktioniert.
Was ungeschultes Personal wirklich kostet
Ein typischer Ablauf: Gästen wird die Karte hingelegt. Kellner verschwindet. Kommt zurück: „Haben Sie gewählt?“ Zwei Hauptgerichte werden bestellt. Kein Getränk, keine Vorspeise, kein Dessert. Bon: 35 Euro für zwei Personen. Dieser Kellner ist nicht faul oder unfreundlich. Er wurde einfach nie geschult.
Ich habe nachgerechnet: Ein ungeschulter Kellner lässt im Schnitt 8 bis 15 Euro pro Bestellung auf dem Tisch liegen. Bei 20 bis 30 Tischen pro Tag sind das 200 bis 400 Euro tägliche Einnahmen, die du nie siehst. Im Monat bis zu 12.000 Euro. Ohne einzigen Cent in Werbung zu investieren.

Sechs Schritte, die ich meinem Team beibringe
Schritt 1
Karte öffnen und persönlich übergeben
Die Karte wird nicht auf den Tisch geworfen, sie wird geöffnet und persönlich übergeben. Zuerst der Frau, dann dem Mann. Eine Kleinigkeit, die Gästen auffällt und die sie schätzen.
Schritt 2
Getränke sofort anbieten
Noch am Tisch, bevor der Kellner geht: „Darf ich Ihnen etwas zu trinken bringen? Wir haben heute einen sehr guten Riesling aus der Pfalz, oder möchten Sie mit Wasser anfangen?“ Getränke sind die margenstärkste Position auf jeder Karte. Ein Bier, ein Glas Wein, ein Aperitif, das sind 15 bis 20 Euro mehr für eine einzige Frage.
Schritt 3
In Sichtweite bleiben
Nicht für 10 Minuten verschwinden. Zeit geben, aber präsent bleiben. Der Gast soll nicht winken müssen, der Kellner sieht selbst, wenn jemand bereit ist.
Schritt 4
Konkret empfehlen, nicht fragen
Nicht: „Möchten Sie noch etwas dazu?“ Sondern: „Zu diesem Gericht passt unser Burratasalat sehr gut, leicht, frisch, perfekt als Vorspeise. Ich empfehle ihn sehr.“ Personalisierte Empfehlung schlägt jede allgemeine Frage. Der Gast kauft keine Vorspeise, er kauft eine Geschichte und Aufmerksamkeit.
Schritt 5
Die Drei-Ja-Technik
Drei kleine Zustimmungen im Laufe des Abends: ein Getränk, eine Vorspeise oder Beilage, ein Dessert oder Digestif. Jedes Ja ist ein Plus auf dem Bon, und ein Zeichen, dass der Gast sich gut aufgehoben fühlt.
Schritt 6
Dessert und Digestif nicht vergessen
80 Prozent der Kellner fragen nicht. Dabei sind das weitere 10 bis 15 Euro pro Tisch. Fünf Sekunden: „Möchten Sie noch einen Espresso? Wir haben auch eine hausgemachte Grappa.“ Der Rest ergibt sich.

Was das in der Praxis verändert
Ich habe bei Masel Topf begonnen, mein Team systematisch zu schulen, nicht nur „sei freundlich“, sondern konkrete Schritte, konkrete Formulierungen. Das Ergebnis nach drei Monaten: Der Durchschnittsbon stieg um 22 Prozent. Die Trinkgelder wuchsen um fast ein Drittel. Und die Zahl der Stammgäste erhöhte sich, weil den Gästen der Service aufgefallen ist und sie wiederkamen. Dafür habe ich null Euro in Werbung investiert. Nur zwei bis drei Stunden Training, und die Wirkung war ab der ersten Schicht spürbar.

Dein Team ist dein stärkster Vertriebskanal. Stärker als jede Anzeige, jeder Rabatt, jede neue Deko. Zwei bis drei Stunden Schulung. Sechs konkrete Schritte. Und der Effekt zeigt sich noch in der gleichen Schicht. Wenn du ein Restaurant eröffnest und Hilfe bei der Personalstruktur oder dem Einkauf brauchst: Wir kennen beide Seiten aus eigener Erfahrung.
Autorenzeile:

Konstantin Pinski ist Mitgründer von Let'sGastro und Gastronom in Berlin seit 2014. Er hat fünf Gastronomieprojekte gestartet und begleitet — darunter Masel Topf, June Six, Restaurant Eli und gerade entsteht ein weiteres Restaurant in Berlin-Grunewald.